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Schnapsen

Geschichte:

Ähnlich wie beim Gin Rummy wird beim Schnapsen auch um Alkohol - eben um Schnaps - gespielt. Das Spiel gehört in die Bézique-Familie, in denen man gleichfalls das Spiel Binokel und die amerikanische Variante Pinochle mit einschließt. Das Spiel wird auch Sechsundsechzig genannt, da Ziel des Spieles ist, 66 Punkte zu sammeln. Doch unterscheiden sich Sechsundsechzig und Schnapsen leicht in den Spielregeln. Das Spiel kam Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts groß in Mode und wurde hauptsächlich in Deutschland und Österreich-Ungarn gespielt.


Das Spiel:

Beim Schnapsen spielen zwei Spieler mit nur 20 französischen (oder auch doppeldeutschen) Karten, da die 9er nicht verwertet werden. Hierbei werden wie folgt die Karten bewertet:
Ass: 11 Punkte,
Zehner: 10 Punkte,
König: 4 Punkte,
Dame: 3 Punkte,
Bube: 2 Punkte.

Beim Schnapsen bekommt jeder Spieler drei Karten, eine wird offen auf den Tisch gelegt und jeder Spieler erhält nochmals 2 Karten. Auf die offene Karte auf den Tisch wird der restliche Stapel - Talon genannt - halb aufgelegt. Die unterste, sichtbare Karte ist die letzte des Stapels und bestimmt die Trumpffarbe, das so genannte Atout. Eine abgelegte Karte bedeutet auch, eine Karte vom Talon zu ziehen.
Es besteht kein Stich- bzw. Farbzwang bei Beginn des Spieles, es kann entweder eine Karte der selben Farbe oder des selben Atout gelegt werden. So wechseln sich die zwei Spieler mit dem Stechen ab, bis entweder der Talon aufgebraucht ist, gesperrt wird oder aber einer der Spieler 66 Punkte erreicht hat.
Ist der Talon aufgebraucht entsteht Stich- und Farbzwang und der entsprechende Spieler muss entweder
- mit einer höheren oder einer niedrigeren gleichen Farbe stechen oder
- er sticht mit einer Trumpfkarte.
Kann er keine dieser Varianten, muss eine eine x-beliebige Karte abwerfen. Hierbei gilt: erst die Farbe, dann der Stich. D. h. wenn der Spieler eine Farb-Karte hat, dann muss er diese auch nehmen und kann nicht mit einer Trumpfkarte aufwarten.

Hat ein Spieler nach einem Stich 66 Punkte erreicht, kann er sich ausmelden. Dabei gewinnt er Siegpunkte, wenn der Gegner keinen Stich erzielt hat (3), weniger als 32 Augen (2) oder mehr als 33 Augen hat (1). Man muss während des Spieles seine Augen zählen, da man seine Stiche nicht wieder einsehen darf, nur beim so genannten Soft Schnapsen ist das erlaubt.
Hat sich bis zum Schluss kein Spieler ausgemeldet, gewinnt der Spieler, der den letzten Stich macht.
Besitzt ein Spieler einen König und eine Dame, so kann er dieses ansagen und bekommt, wenn es die selbe Farbe des Atouts ist, 40, bei einer anderen Farbe 20 Punkte gutgeschrieben.
Hat ein Spieler während seines Ausspiels einen Trumpfbuben in der Hand, so kann er diesen gegen die offene Atout-Karte austauschen.
Hat hingegen der Spieler die 66 Augen erreicht, kann er den Talon vor dem Stich sperren, in dem er die unterste Atout-Karte verdeckt quer auf den Talon legt. Hier ist dann wieder Farb- und Stichzwang angesagt. Hat der Spieler sich jedoch verrechnet und nicht die 66 Augen erreicht, hat er verloren. Der Gegner gewinnt drei Punkte, wenn er noch stichlos war beim 'Zudrehen' des Talons, ansonsten zwei Punkte.

Mit Hilfe eines Bummerlzählers werden die Bummerl gezählt, die während des Spiels gemacht werden. Diese setzen sich aus mehreren einzelnen Spielen zusammen und der Spieler, der als erster 7 Siegpunkte zählt, gewinnt. Dabei wird von 7 nach unten gezählt, also die noch fehlenden Punkte zum Gewinn. So werden von den anfänglich 7 Punkten die beim Spiel gewonnen 2 Punkte abgezogen und man hat noch 5 Bummerl. Hat einer der Spieler mit 7:0 gewonnen, ist der Verlierer ein Schneider und sein Verlust wird doppelt gezählt.

Beim Scharfen Schnapsen sind die Regeln strenger, so kann man weder den Talon sperren, noch die Atout-Karte austauschen, seine Stiche nicht mehr einsehen und nach einer Ansage einen König ausspielen. Außerdem darf erst aus dem Talon gezogen werden, wenn der vorherige Stich verdeckt abgelegt wurde.


Interessantes:

Kurioserweise wird das Spiel auch Paderbörnern genannt, da es angeblich - nicht nachweisbar - in einer Schänke in Paderborn in Westfalen - Am Eckkamp Nr. 66 - um 1652 erfunden worden sei. Eine Gedenktafel erinnert daran, doch es ist nicht gewiss. In dem Leipziger Frauenzimmer-Lexikon aus dem Jahre 1715 wird das Spiel aber schon unter dem Namen Mariage beschrieben, wie es auch noch in tschechischen heißt. Schnapsen gehört in Österreich zu den Geschicklichkeits-Kartenspielen, ähnlich wie Bridge und Schach. Ähnliche Varianten bilden russisches Schnapsen, Bauernschnapsen und Nürnberger Dreck, eine bayrische Fassung.

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